Neubau Dombauhütte Passau

Modell mit Holzkleid, Osten

An historisch bedeutender Stelle in der Altstadt in Passau wird die neue Dombauhütte als zurückhaltender Bau am Residenzplatz neu errichtet. Die Interpretation des Archetypus „Hütte“ als Manifestation des immateriellen Kulturerbe der UNESCO „Bauhüttenwesen“ als Satteldachhaus in Massivholzbauweise und hölzernem „Gewand“ unterstreicht den dienenden Charakter einer Bauhütte und konkurriert somit nicht mit dem barocken Ensemble mit dem Dom St. Stephan.

Modell mit Holzkleid, Süden

Das Volumen und die Proportionen sind entlang historischer Sichtbeziehungen und Gebäudeachsen generiert und ein fallender First und ein sich konisch verjüngender Grundriss reduzieren die „sichtbare“ Giebelseite am Platz und geben Blicke und Ausblicke zum Dom frei. Diese „Funktionsplastik“ generiert über Blickachsen von außen und Lichtraumprofile von Innen wird im Platzraum als skulpturale Form mit geschlossener homogener einfacher Holzhülle so situiert, dass das barocke Ensemble mit weißen ausformulierten Putzfassaden nicht konterkariert wird.

Bestand

Um die neue Dombauhütte samt Werkhof und Außenlager im Geländeverlauf zu integrieren, wird das erforderliche Raum- und Funktionsprogram auf zwei Ebenen umgesetzt und die Lagerflächen teilweise auch Innen schräg ausgebildet. Das Bauvolumen und die Höhenentwicklung werden aufgrund der Bauplatz- und Umgebungsanalyse geometrisch in Grundriss und Ansicht verjüngt, quasi perspektivisch „verzerrt“. Dies erzeugt eine zurückhaltende elegante Gebäudegestalt mit dienendem Charakter und einer nicht anbiedernder Erscheinung zur historisch bedeutsamen barocken Umgebung.

Die gesamte Gebäudehülle inklusive der Dächer für alle Werkstattgebäude und der Gerüstverkleidung Baugerüst wird als offene leichte vorgehängte Holz-Spalierfassade geplant, um ein homogenes monolithisches Erscheinungsbild zu erzeugen. Alle Öffnungen und Fenster, eben auch die Dachflächenfenster verbergen sich hinter dem „hölzernen transparenten Kleid“ und treten tagsüber und auch abends nicht in Erscheinung. Durch die hölzerne Verkleidung wird zugleich der Charakter einer „Hütte“ herausgestellt und die Gesamtgestalt als dienendes Gebäudeensemble auf dem Residenzplatz vor dem Don St. Stephan betont.

Südansicht

Stellungnahme Bay. Landesamt für Denkmalpflege:

“Mit dem vorliegenden Entwurf wird auf die Tradition von Dombauhütten anschaulich Bezug genommen: Dimensionierung, Geschossigkeit und Gestaltung sind stark zurückgenommen, die vereinfachte Optik und die im städtischen Zusammenhang eher ungewöhnliche Oberflächenmaterialität in Holz verweisen deutlich auf den Charakter eines „Provisoriums“. Die reduzierte Anlage schafft dabei einen anregenden, aber taktvollen Kontrast zum Denkmalbestand der Umgebung. Um die Choransicht des Doms möglichst wenig abzudecken, ist der Hauptbaukörper im Grundriss trapezförmig angelegt und ein Firstverlauf analog zur Topographie des westlichen Residenzplatzes gewählt.“