Umbau und Sanierung der Kindertagesstätte Wurmannsquick

Netzwerk „Archiv der Zukunft“: „Soll Lernen dazu befähigen, Zukunft zu schaffen, dann müssen wir heute Schulen, Kindergärten und Hochschulen zu Orten des Übergangs einer Industriegesellschaft zu einer Wissens- und Ideengesellschaft umbauen. Das bedeutet den Abschied davon, Menschen von außen zu steuern – Auch in der Pädagogik. Stattdessen gilt es, den Willen und die Phantasie herauszufordern und die Selbstverantwortung zu stärken.“ (Aus der „Münsteraner Erklärung“ vom 22.03.2009)

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Nur ein Wärmedämmverbundsystem und neue Fenster sollten es werden, und der Antrag im Konjunkturpaket II war mit Hilfe eines Ingenieurbüros  schon gestellt worden, als die Gemeinde noch einmal innehielt und über die zukünftigen Anforderungen an das Haus für die Kinder in der Gemeinde nachdachte: einen Bereich für die Kleinsten unter drei Jahren bräuchte man eigentlich, und der Mehrzweckraum sollte als Pfarrzentrum genutzt werden. Auf dem schön eingewachsenen Grundstück war nicht viel Platz, sanieren würde man im laufenden Betrieb müssen. Ein Architekturbüro sollte prüfen, welche Möglichkeiten in dem vierzig Jahre alten Gebäude stecken - nur eine Idee zu finden, war die Aufgabe.


Eine Idee war bald gefunden, der Marktrat begeistert, die Finanzierung unsicher. Im Konjunkturpaket II waren ja nur Fenster und Vollwärmeschutz beantragt worden. Mit einem Modell des neuen Hauses und der auch bei den Förderstellen geweckten Freude am neuen Ziel fand sich eine Lösung: drei verschiedene Fördertöpfe würden helfen, die Kirche als zweiter Bauherr für den künftig als Pfarrheim genutzten Teil des Hauses den Entwurf mittragen und Ihren Teil finanzieren.

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 Mit der Vorbereitung auf das neue Haus begann die Arbeit auch am pädagogischen Konzept. Parallel zur Planung des Hauses erarbeitete das Personal des Kindergartens in Fortbildungen und Teamsitzungen ein neues pädagogisches Konzept für die Kindertagesstätte, die künftig auch für die Kleinsten offen sein sollte. In offenen Gesprächen mit Kindergartenpersonal und Architekt wurden Gebäudekonzept und pädagogisches Konzept abgestimmt. Mit dem neuen Platzangebot entstanden neue Möglichkeiten: besondere Angebote, die bisher in den jeweiligen Gruppen stattfinden, können gruppenübergreifend in Themenräumen angelegt oder - mit dem höchsten Grad an Öffentlichkeit - auf dem zentralen Platz in der Lichthalle zwischen den Gruppenhäusern stattfinden.

Frei in die Halle gestellte Kuben schaffen abtrennbare Räume für besondere Funktionen wie Kindergartenleitung oder Mehrzweckraum. Im alten Haus gab es Altlasten aus Holzanstrichen, künstlichen Mineralfasern, Asbestzement. Das neue Haus sollte nachhaltig nicht nur im energetischen Konzept, sondern auch in den verwendeten Materialien sein. Natürliche und unverfälschte Materialien wie unbehandeltes oder geöltes Holz, die flügelgeglättete Betonbodenplatte der Halle oder die sägerauhe Leistenschalung der Akustikelemente in den Gruppenräumen schaffen optische und haptische Erlebnisangebote und eine gesunde Atmosphäre im Gebäude. Die Anbauten und das neue Dach wurden als Holzrahmenelemente mit Zellulosedämmung ausgeführt, und sind vollständig zerlegbar und recyclingfähig. Die im Bestand gebundene graue Energie sollte so weit als möglich für das neue Haus genutzt werden, insbesondere die thermische Speicherkapazität der schweren Bauweise. Die Anbauten an den bestehenden Pultdachhäusern machen Außen- zu Innenwänden und schaffen Platz für Krippenbereich und zusätzliche Gruppennebenräume. Ein neues Dach über den bestehenden Pultdachfirsten schafft eine großzügige Lichthalle zwischen den Gruppenhäusern, in der für alle gemeinsamen Aktivitäten und die zentralen Funktionen im Haus genügend Platz ist, und sorgt ganz nebenbei für eine kompakte Gebäudehülle.

Das Beleuchtungskonzept der Lichthalle ist als Eigenentwicklung zwischen Bauherr und Architekt ein energiesparendes Ergebnis der intensiven Zusammenarbeit über den gesamten Planungsprozess hinweg. Hier sorgen als Direkt-/Indirektstrahler in den Stahlbinder der Lichthalle integrierte Leuchtstoffröhren unter Ausnutzung der reflektierenden Hallendecke für gute Lichtverhältnisse.

 

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 Zusammen mit den ergänzenden Anbauten entstand so ein Haus, das den Energieverbrauch nach Energieeinsparverordnung um 82% unterschreitet. Der restliche Wärmebedarf wird durch eine Nahwärmeversorgung von der projektierten Hackschnitzelheizanlage der  nahen Volksschule gedeckt. Ein textiler Sonnenschutz vor den Gruppenräumen  verhindert Überhitzung im Sommer,  in der Halle sorgen lichtstreuendes Kapillarglas im Firstoberlicht und ein Reflektor im Glaszwischenraum der Südfassade für hervorragende Tageslichtverhältnisse trotz Sonnenschutz.

 

Bei allen funktional notwendigen und energetisch sinnvollen Maßnahmen steht im Mittelpunkt die ästhetische Qualität der Räume, die für immer mehr und immer jüngere Kinder im Rahmen einer Ganztagsbetreuung in der KiTa während fünf Tagen der Woche den Hauptlebensraum darstellen. Rückzugsbereiche, Spiel- und Lernangebote, unterschiedliche Höhen­ebenen in der Halle, zahlreiche Versteck- und Entdeckungsmöglichkeiten, Ein- und Durchblicke schaffen Anreize. Anlass und Ziel aller Gestaltung im Haus sind die Kinder.

 

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