Traditionell modern

„Ich wollte einfach keine kalten Füße mehr haben, Stefan ein Passivhaus bauen. Beides haben wir nicht bekommen (ich keine kalten Füße, mein Mann kein Passivhaus) ...“

Wir wollten ein Haus bauen, das für lange Zeit ein gesundes Wohnumfeld für uns und vor allem für unsere Kinder bietet. Es sollte flexibel auf zukünftige Anforderungen reagieren können und nicht nach ein paar Jahrzehnten wieder abgerissen werden, weil es nicht mehr den Anforderungen entspricht und eine Sanierung sich nicht lohnt.
Wir haben lange darüber gesprochen, was Nachhaltigkeit für uns bedeutet. Nicht nur, dass das Haus wenig Energie verbraucht, dass die Herstellung und Transport der Baumaterialien mit geringem Energieaufwand auskommen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, dass es einfach passt, dass es nicht stört in der Umgebung. Dass es so selbstverständlich ist, dass es einfach hierher gehört.

Im Dorf war man gespannt und auch ein wenig skeptisch wie der Architekt sein eigenes Haus bauen würde. Da von Baubeginn an zu sehen war, dass es anders werden würde als normale Einfamilienhäuser (vom Tanzsaal und Pferdestall war die Rede), waren einige so interessiert, dass sie freiwillig mithalfen. Vor allem bei dem Experiment mit der Stampflehmwand wollten viele dabei sein. Bei einigen von Stefans ungewöhnlicheren Ideen war für mich wichtig, dass wir ähnliche Sachen zusammen angeschaut und mit Leuten geredet haben, die sich das auch zutrauten. Heute bin ich froh, dass ich mich – meistens – habe überzeugen lassen.

Das Haus drückt auch aus, wie wir uns sehen und wie wir denken: Offen für Neues, verwurzelt in den Traditionen. So wie man mit traditionellen Blasinstrumenten moderne Musik machen kann, bedient sich unser Haus der Mittel traditionellen Bauens um ein modernes, aber trotzdem im Dorf passendes Erscheinungsbild zu erreichen.

Übrigens: Ein Passivhaus wurde es deshalb nicht, weil uns die großen Fensterflächen nach Osten und Westen mit den tollen Ausblicken wichtiger waren als die letzten Kilowatt Energieeinsparung. Kalte Füße habe ich aber nie mehr gehabt.

Projekt: Haus K