Pfarrstadel

„Sonntags hat der Pfarrer am Ende des Gottesdienstes angekündigt, dass am nächsten Samstag Helfer zum Putz abschlagen gebraucht werden. Und dann waren immer genug Leute, sogar mit eigenem Werkzeug, auf der Baustelle. ...“

Für unser Pfarrheim war eigentlich ein Neubau an anderer Stelle vorgesehen. Als das gescheitert war, haben wir nach anderen Möglichkeiten gesucht. Irgendwann war Herr Resenberg von der Bauverwaltung der Diözese in Schwindkirchen und hat auch unseren alten Stadel gesehen. Eigentlich war das hier einmal einer der größten Bauernhöfe in der Region – entsprechend groß waren auch die Wirtschaftsgebäude. Dann meinte Herr Resenberg, eigentlich müsste man den Stadel erhalten. Und als ich fragte, ob das denn möglich sei: „Vergessen Sie’s“, war seine Antwort.

Jetzt gab es ein kleines Raumprogramm für unser Pfarrheim, und einen großen Stadel, der für das Ensemble hier eigentlich genauso wichtig war wie das Pfarrhaus. Herr Resenberg hat dann den Kontakt mit einem Architekturbüro hergestellt, das nach einer Lösung für die Aufgabe suchen sollte.

Die Architekten fanden den Stadel, trotz seines schlechten Zustandes, genauso beeindruckend wie wir, und kamen dann mit dem Vorschlag, ihn mit möglichst wenig Aufwand instand zu setzen, und das neue Haus ganz frei in den Innenraum zu stellen. Schon am Modell konnten wir sehen, dass das eine ganz besondere Situation werden würde – allerdings hatten wir kein Geld für eine solche Lösung und viele haben daran gezweifelt, dass der ‚alte Kasten‘ den Aufwand wert sein würde. Wir haben dann ganz offen diskutiert, und jeder hatte die Möglichkeit, seine Sorgen und Einwände vorzubringen.

Würde das Licht im Inneren ausreichen, wenn die Räume nun eigentlich zwei Hüllen bekämen? Ist der Alte Stadel überhaupt noch zu retten? Geht das, ein Haus im Haus zu bauen?

Immer wieder kam auch die Frage, ob es so etwas an anderer Stelle schon einmal gebe, ob man sich das irgendwo anschauen könnte. Ein gebautes Beispiel aber konnten uns die Architekten nicht nennen.

Letztlich musste uns das große Modell und das Vertrauen in die Architekten genügen, um eine Entscheidung zu treffen. Die war dann auch denkbar knapp – mit nur einigen Stimmen Mehrheit haben wir entschieden es umzusetzen. Kritik gab es auch danach noch. Aber viele, die zuvor etwas ganz anderes wollten, haben sich dann trotzdem an den Arbeiten beteiligt – denn das fehlende Geld konnten wir nur durch Eigenleistungen auf der Baustelle ersetzen.

So hat zum Beispiel der Pfarrer sonntags dann am Ende des Gottesdienstes angekündigt, dass am nächsten Samstag Helfer zum Putz abschlagen gebraucht werden. Und dann waren immer genug Leute, sogar mit eigenem Werkzeug, auf der Baustelle.

Letztlich ist es durch die gemeinsame Arbeit viel mehr ‚unser‘ Projekt geworden. Heute sind alle stolz auf das, was hier entstanden ist, und das Haus ist sehr gut angenommen. Hier finden neben der pfarrlichen Nutzung auch Ausstellungen, Hochzeiten und alle möglichen Dorfveranstaltungen statt. Der Gastwirt aus dem Ort sowie die hiesige Brauerei machen das Catering, und durch den zusätzlichen ‚Zwischenraum‘ sind die Veranstaltungen auch sicher vor schlechtem Wetter.